Wie halten es die Grünen mit S 21?

Bau­stel­len­auf­nah­me von Okto­ber 2016.

31.01.2018

Fragen und Antworten

Wes­halb sehen die Grü­nen Stutt­gart 21 so kri­tisch?

Dafür gibt es vie­le Grün­de, ins­be­son­de­re ver­kehr­li­che und finan­zi­el­le.

Der im Bau befind­li­che Tief­bahn­hof soll über nur acht Glei­se ver­fü­gen und den Kopf­bahn­hof mit sei­nen 16 Glei­sen erset­zen. Wir sehen Kapa­zi­täts­eng­päs­se und eine aus meh­re­ren Grün­den ein­ge­schränk­te betrieb­li­che Fle­xi­bi­li­tät. Der Tief­bahn­hof weist kaum die Kapa­zi­tät auf, um auch mal einen Zug etwas län­ger als geplant auf Fahr­gäs­te ver­spä­te­ter Züge war­ten zu las­sen. Damit ist er nicht taug­lich für den inte­gra­len Takt­fahr­plan eines Deutsch­land-Tak­tes. Mit der Ertei­lung der Betriebs­ge­neh­mi­gung ist auf­grund der Weg­roll­ri­si­ken auf den stark geneig­ten Glei­sen mit wei­te­ren betrieb­li­chen Ein­schrän­kun­gen zu rech­nen.

Es wird also ein Bahn­hof für sehr viel Geld gebaut, der – so wie geplant – nicht ansatz­wei­se hal­ten kann, was einst ver­spro­chen wur­de. Er ist in die­ser Form nicht zukunfts­fä­hig, weil er kei­ne Per­spek­ti­ve für wach­sen­de Fahr­gast­zah­len und moder­ne, fahr­gast­freund­li­che Betriebs­kon­zep­te bie­tet.

Was haben die Grü­nen gegen Stutt­gart 21 unter­nom­men?

Die Grü­nen haben Stutt­gart 21 bereits zu einem sehr frü­hen Zeit­punkt auf allen ent­schei­den­den Ebe­nen (Bund, Land, Regi­on und Lan­des­haupt­stadt) abge­lehnt. Wir haben vor ver­kehr­li­chen Unzu­läng­lich­kei­ten und unrea­lis­ti­schen Kos­ten­an­ga­ben gewarnt. Ich sel­ber kann mich erin­nern, wie ich in einer Haus­halts­re­de als Fil­der­städ­ter Stadt­rat bereits Mit­te der 1990er-Jah­re S 21 zum The­ma gemacht und für ein Ende des Pro­jek­tes gewor­ben hat­te.

Wir Grü­ne haben im Akti­ons­bünd­nis mit­ge­ar­bei­tet. Im Vor­feld der Volks­ab­stim­mung hat­ten wir aktiv, mit hohem finan­zi­el­lem wie per­so­nel­lem Ein­satz, für das „Ja“ zum Aus­stieg des Lan­des aus dem Finan­zie­rungs­ver­trag gewor­ben. Lei­der ging die­se sehr wich­ti­ge Abstim­mung für uns ver­lo­ren.

Wes­halb bezie­hen sich die Grü­nen immer wie­der auf die Volks­ab­stim­mung?

Als die Land­tags­wahl im Jahr 2011 eine Mehr­heit für Grü­ne und SPD erbrach­te, stan­den die unter­schied­li­chen Mei­nun­gen zu Stutt­gart 21 einem gemein­sa­men Regie­rungs­bünd­nis im Wege. Als Aus­weg wur­de die Volks­ab­stim­mung in die Wege gelei­tet. Bei­de Par­tei­en waren sich einig und ver­spra­chen sich gegen­sei­tig und der Öffent­lich­keit, das Votum, soll­te es auch knapp aus­ge­hen oder die Wahl­be­tei­li­gung gerin­ger aus­fal­len als erhofft, ohne Wenn und Aber zu akzep­tie­ren.

Es wur­de über den Lan­des­an­teil in Höhe von knapp 931 Mil­lio­nen Euro abge­stimmt. Unse­re, gemein­sam mit dem Akti­ons­bünd­nis und unzäh­li­gen loka­len Bünd­nis­sen vor­ge­tra­ge­nen Argu­men­te hat­ten lei­der kei­ne Mehr­heit über­zeugt. Das Votum ist fürs Land bin­dend.

Da sowohl Grün-Rot wie auch Grün-Schwarz den Finan­zie­rungs­ver­trag so deu­te­ten bzw. deu­ten, dass sich dar­aus ein Kos­ten­de­ckel able­sen lässt und die­se Les­art wur­de in bei­den Koali­ti­ons­ver­trä­gen fest­ge­schrie­ben und früh­zei­tig und mehr­fach der Deut­schen Bahn über­mit­telt wur­de, ist auch heu­te noch von einem Lan­des­an­teil von den besag­ten knapp 931 Mil­lio­nen Euro aus­zu­ge­hen. Das Land wird sich an kei­nen Kos­ten­stei­ge­run­gen für das Pro­jekt, wie es im Finan­zie­rungs­ver­trag defi­niert wur­de, betei­li­gen. Die Deut­sche Bahn will ihre davon abwei­chen­de Auf­fas­sung recht­lich klä­ren las­sen.

Lässt sich Stutt­gart 21 noch stop­pen?

Das Pro­jekt ist so gestrickt, dass ein Aus­stieg inzwi­schen recht­lich und tech­nisch nicht  mehr rea­lis­tisch umsetz­bar ist. Die betei­lig­ten Pro­jekt­part­ner Deut­sche Bahn, Land, Lan­des­flug­ha­fen Stutt­gart, Ver­band Regi­on Stutt­gart und die Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart haben zudem unter­schied­li­che Inter­es­sen und bereits jede noch so klei­ne Ände­rung bedarf der Ein­stim­mig­keit aller Pro­jekt­part­ner. So liegt das Haupt­in­ter­es­se der Stadt Stutt­gart dar­in, so schnell wie mög­lich die mas­si­ven Ein­schrän­kun­gen ihrer Bür­ge­rin­nen und Bür­ger durch die Groß­bau­stel­le zu über­win­den und das Gleis­vor­feld im ver­trag­lich fest­ge­hal­te­nen Umfang für eine Über­pla­nung frei zu bekom­men. In kei­nem der demo­kra­tisch gewähl­ten Gre­mi­en der Pro­jekt­part­ner gab es jemals auch nur ansatz­wei­se eine Mehr­heit für die Been­di­gung des Pro­jek­tes. Eine sol­che Mehr­heit gab es auch nicht im Jahr 2012/2013 bei der Kos­ten­stei­ge­rung von 4,5 auf 6,5 Mil­li­ar­den Euro, als das Pro­jekt noch nicht so weit fort­ge­schrit­ten war wie heu­te. Es war ein schwe­rer Feh­ler, dass das Pro­jekt nicht spä­tes­tens damals auf Initia­ti­ve der Deut­schen Bahn und des Bun­des gestoppt wur­de.

Außer­dem rächt es sich, dass S 21 immer als “alter­na­tiv­los” betrach­tet wur­de. Es gibt also kei­ne Alter­na­ti­ve, mit deren Bau ohne lang­jäh­ri­ge Pla­nungs­pha­sen begon­nen wer­den könn­te.

Der Blick auf die­se trau­ri­gen Rea­li­tä­ten macht deut­lich, dass ein Aus­stieg nicht rea­lis­tisch ist. Ich set­ze mei­ne Kraft nun dafür ein, vor dem Hin­ter­grund der nicht vor­han­de­nen Deutsch­land­takt-Fähig­keit des Bahn­kno­tens Stutt­gart bei der Kapa­zi­täts­fra­ge nach­zu­bes­sern. Da lässt sich nach mei­ner Über­zeu­gung noch am ehes­ten etwas bewe­gen. Es geht dar­um, die Rea­li­tä­ten zu sehen und das zu tun, was jetzt noch mach­bar ist. Man wird nichts bewe­gen, wenn man nur gegen das Pro­jekt schießt. Man kann aber etwas errei­chen, wenn man für Ände­run­gen strei­tet. In der Poli­tik muss man immer wie­der hin­ter­fra­gen, wofür man sei­ne Kräf­te ein­setzt. Das macht man am bes­ten dort, wo noch Ver­än­de­run­gen mög­lich erschei­nen.

Kann Stutt­gart 21 jemals funk­tio­nie­ren?

Stutt­gart 21 wird nie so wer­den, wie es sein könn­te, wenn man von Anbe­ginn an ver­nünf­tig, näm­lich nach fach­li­chen Kri­te­ri­en, geplant hät­te. Aber wir wol­len ver­su­chen, wenigs­tens die gra­vie­rends­ten Män­gel zu behe­ben oder zumin­dest zu lin­dern. Dafür braucht es Mehr­hei­ten und eine ver­läss­li­che Finan­zie­rung.

Ein “gutes Ende” kann es nicht mehr geben. Aber viel­leicht ein Ende, das nicht mehr ganz so gro­ße Defi­zi­te auf­weist wie das, was gera­de gebaut wird. Eini­ge Ver­bes­se­run­gen sind beschlos­sen, so an der Roh­rer Kur­ve. Ande­re befin­den sich in der Dis­kus­si­on, so für zusätz­li­che Kapa­zi­tä­ten in der Stadt­mit­te.

Wir müs­sen ver­mei­den, dass Stutt­gart 21 zum Kol­laps des Schie­nen­ver­kehrs führt. Die­se Dis­kus­sio­nen und Ent­schei­dun­gen für grö­ße­re Kapa­zi­tä­ten zu Guns­ten des Fern- und Regio­nal­ver­kehrs sowie die S‑Bahn Stutt­gart brau­chen wir genau­so wie die Klä­rung der Finan­zie­rung durch die Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me des Bun­des. Es gilt zu ver­hin­dern, dass die stei­gen­den Mehr­kos­ten den bun­des­ei­ge­nen Bahn­kon­zern dazu zwin­gen, für ande­re und dies­mal sinn­vol­le Pro­jek­te die not­wen­di­gen Inves­ti­tio­nen zu unter­las­sen.

Wird der Tief­bahn­hof von Stutt­gart 21 über­haupt eine Betriebs­ge­neh­mi­gung erhal­ten?

Die Sor­ge um die Ertei­lung einer Inbe­trieb­nah­me-Geneh­mi­gung habe ich nicht. Das ist eine Fra­ge der Auf­la­gen auf­grund von Brand­schutz, Ent­fluch­tung und Gleis­nei­gung. Die­se wie­der­um kön­nen aber die Kapa­zi­tät beein­flus­sen und zum Pro­blem wer­den. Auch des­halb ist es so wich­tig, Lösun­gen für die Kapa­zi­täts­fra­gen in Stutt­gart und ent­lang der Zulauf­stre­cken zu fin­den.

 

Wei­ter­füh­ren­de Links

Gedan­ken zu Stutt­gart 21 (2014): https://www.matthias-gastel.de/artikel/mein-engagement-dagegen-und-die-volkabstimmung/

Die „kri­ti­sche Beglei­tung“ mit Leben gefüllt (Über­sicht über par­la­men­ta­ri­sche Initia­ti­ven): https://www.matthias-gastel.de/die-kritische-begleitung-von-stuttgart-21-geht-weiter/#.WnAG6U2ovIU

 

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Kommentare zu “Wie halten es die Grünen mit S 21?

  1. Cornelia Marcus Reply

    Sehr geehr­ter Herr Gast­el,
    man kann ein Pro­jekt, das schon wegen der (von Ihnen nicht erwähn­ten) Anhy­drit-Tun­nel nie­mals (betriebs-)sicher sein wür­de,
    nicht ver­bes­sern, und damit einen halb­wegs funk­tio­nie­ren­den Ver­kehrs­kno­ten Stutt­gart garan­tie­ren, son­dern als Ver­tre­ter einer
    heu­te “grün bemän­tel­ten”, ehe­mals öko­lo­gisch auf­tre­ten­den (Regierungs-)Partei haben sie den Wählerauftrag/die Pflicht alle sich
    auch heu­te noch anbie­ten­den Alter­na­ti­ven will­kom­men zu heißen,sehr genau zu prü­fen und natür­lich auch bei allen sich anbie­ten­den
    Gele­gen­hei­ten in den Medi­en zu dis­ku­tie­ren ! Dabei bekom­men Sie die kos­ten­spa­ren­de, öko­lo­gisch und ver­kehrs­tech­nisch sinn­vol­le, zukunfts­fä­hi­ge Alter­na­ti­ve von den Fach­leu­ten von K21 auch noch gra­tis prä­sen­tiert : “www.umstieg-21.de” mit umfang­rei­chem, aktu­el­lem Update !!
    Und : es muss schein­bar immer­noch deut­lich aus­ge­spro­chen wer­den : die Volks­ab­stim­mung zur Lan­des­be­tei­li­gung an S21 war ein höchst unde­mo­kra­ti­sches Manö­ver ! Mehr als die gewalt­tä­ti­gen Über­grif­fe der Map­pus-Regie­rung am schwar­zen Don­ners­tag 2010, hat
    es zum ver­brei­te­ten Ver­trau­ens­ver­lust in Regie­rung, Par­tei­en und Staats­sys­tem geführt – je län­ger Sie sich dar­auf beru­fen,
    umso mehr scha­den Sie auch den ver­nunf­t­ori­en­tier­ten, ver­ant­wor­tungs­vol­len Kräf­ten in unse­rer “Rest-Demo­kra­tie” und das in
    einer glo­ba­len Situa­ti­on, in der ver­ant­wor­tungs­vol­les , weit­sich­ti­ges Den­ken und Han­deln jedes ein­zel­nen Bür­gers mehr gefor­dert ist denn je ! Fazit : Es gibt kein rich­ti­ges Han­deln im Fal­schen und mein Schluß­gruß : “Herr, schmeiß Hirn ra!” C.M.

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Sehr geehr­te Frau Cor­ne­li­us,
      ergän­zend zu mei­nen Aus­füh­run­gen in mei­nem Bei­trag, auf den Sie sich bezie­hen, wei­se ich noch dar­auf hin, dass die DB Bau­trä­ge­rin von S 21 ist. Es ist bit­ter, dass grund­le­gen­de Alter­na­ti­ven zu S 21 nicht geprüft wur­den; nun ist es dafür aber ein­deu­tig zu spät. Es geht nicht mehr um das wün­schens­wer­te, son­dern um das mach­ba­re. Was den Wäh­ler­auf­trag der Grü­nen angeht: Schau­en Sie sich die Wahl­er­geb­nis­se und ‑umfra­gen an. So schlecht schei­nen sich die Men­schen in B‑W nicht regiert zu sehen und die aller­meis­ten Men­schen tei­len unser Demo­kra­tie­ver­ständ­nis, wonach Mehr­hei­ten ent­schei­den und ein sol­ches Votum zu akzep­tie­ren ist, auch wenn es einem (wie mir) in der Sache nicht gefällt.
      Mit freund­li­chen Grü­ßen
      Mat­thi­as Gast­el

      • Markus Hitter Reply

        Sehr geehr­ter Herr Gast­el,
        .
        wenn Sie sich am Mach­ba­ren ori­en­tie­ren wol­len, eine durch­aus sinn­vol­le Stra­te­gie, dann ori­en­tie­ren Sie sich bit­te nicht nur am Mach­ba­ren der aktu­el­len Pla­nun­gen. Denn mach­bar sind auch Din­ge, die nicht, oder noch nicht in die­sen Pla­nun­gen ste­hen. Gleich­zei­tig ist kei­nes­wegs garan­tiert, dass sich die­se aktu­el­len Pla­nun­gen als mach­bar her­aus stel­len. Ins­be­son­de­re was die Finan­zie­rung, die Eig­nung und Zuver­läs­sig­keit des Bau­werks und die Ver­kehrs­ka­pa­zi­tät angeht.
        .
        Mit solch einer Betrach­tung schei­nen sich von Ihnen wenig gelieb­te Kon­zep­te wie Umstieg 21 doch sehr viel mehr am Mach­ba­ren zu ori­en­tie­ren als es die Leu­te tun, die das Pro­jekt nun unver­än­dert “fins­ter durch­zie­hen” wol­len.
        .
        Pikan­ter­wei­se hat die DB Ende letz­ten Jah­res ein ver­än­der­tes Kon­zept für den Flug­ha­fen vor­ge­stellt, was den Zei­tungs­be­rich­ten nach zumin­dest eini­ge der zahl­rei­chen Pro­ble­me gelöst, das Pro­jekt also im Rah­men des Mach­ba­ren ver­bes­sert hät­te. Wie Ihnen sicher nicht ent­gan­gen ist, hat sich auch die­se Ver­bes­se­rung in Ihrer Les­art als “nicht mach­bar” her­aus gestellt. Tat­säch­lich war es wohl eher ein “nicht gewollt”.
        .
        Daher möch­te Ich Sie bit­ten, Alter­na­ti­ven zu Stutt­gart 21 nicht län­ger pau­schal als “nicht mach­bar” abzu­leh­nen. Sie sind inzwi­schen so mach­bar oder nicht mach­bar wie die von Ihnen ange­streb­ten Ver­bes­se­run­gen am geplan­ten Pro­jekt.
        .
        Es ist an der Zeit, den Fall des Ver­sa­gens des Pro­jekts in Betracht zu zie­hen und offen dis­ku­tie­ren zu kön­nen. In dem Fall blei­ben nur Alter­na­ti­ven. Ob es dann ein 14-glei­si­ger Tief­bahn­hof, ein Kom­bi­bahn­hof oder eben ein reno­vier­ter und ertüch­tig­ter Kopf­bahn­hof wird bleibt her­aus zu fin­den. Je frü­her man sol­che Alter­na­ti­ven dis­ku­tiert, des­to frü­her sind übri­gens auch die Pla­nun­gen dafür fer­tig – so es über­haupt Pla­nun­gen braucht.

        • Matthias Gastel
          Matthias Gastel Reply

          Sehr geehr­ter Herr Hit­ter,
          das Pro­jekt S 21 wird nicht an den Kos­ten bzw. der Finan­zie­rung schei­tern. Der Bund ist bereits (auch wenn er es nicht zugibt) in die Finan­zie­rung ein­ge­stie­gen bzw. hat sei­nen Anteil erheb­lich aus­ge­baut (Ver­zicht auf Divi­den­den der DB AG, Zuschuss ins Eigen­ka­pi­tal der DB) und wird dies mit sehr gro­ßer Sicher­heit wei­ter machen. An der „Eig­nung“ oder „Zuver­läs­sig­keit“ wird die Fer­tig­stel­lung des Pro­jekts eben­falls nicht schei­tern.
          Ich sehe für uns Grü­ne genau zwei Optio­nen: Ent­we­der das Pro­jekt bekämp­fen (was nicht zum Erfolg füh­ren wird, da es von sehr brei­ten gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Mehr­hei­ten getra­gen wird) ODER es auf Grund­la­ge des Kern­pro­jek­tes (das ist vor allem der Tief­bahn­hof in Stutt­gart und offen­bar auch die Flug­ha­fen­an­bin­dung) zu ver­bes­sern und zu ergän­zen. Das Bei­spiel Roh­rer Kur­ve zeigt, dass dies grund­sätz­lich mög­lich ist. Das von Ihnen genann­te Bei­spiel am Flug­ha­fen zeigt zugleich, wie schwie­rig dies ist, wenn die Mehr­heit das Gefühl hat, dass es dann nicht mehr „ihr“ Pro­jekt ist. Im kon­kre­ten Fall wur­de lie­ber auf ein Ein­spar­po­ten­ti­al im drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich ver­zich­tet als die ver­korks­ten Pla­nun­gen abzu­än­dern – so viel zum Pro­blem mit den Kos­ten! Anders aus­ge­drückt: Wer den Ein­druck erweckt, in Wirk­lich­keit das Pro­jekt stop­pen (also in sei­nem Wesens­kern antas­ten) zu wol­len, wird nie­mals Mehr­hei­ten für sinn­vol­le Ver­än­de­run­gen gewin­nen kön­nen. Ich sage noch­mal: Ich set­ze mei­ne Kräf­te lie­ber für etwas ein, das sich bewe­gen lässt, als dass ich auf einem Stand­punkt blei­be, mit dem ich rein gar nichts bewe­ge.
          Mit freund­li­chen Grü­ßen
          Mat­thi­as Gast­el

          • Matthias Gastel
            Matthias Gastel

            Zu den „Alter­na­ti­ven zu Stutt­gart 21“: Die­se hat­ten wir über vie­le Jah­re mit Vehe­menz ein­ge­for­dert. Denn genau dar­an kran­ken vie­le Groß­pro­jek­te wie Stutt­gart 21: Man hat sich zu früh auf eine Vari­an­te fest­ge­legt statt sich links und rechts umzu­schau­en, was noch mög­lich und viel­leicht sogar bes­ser sein könn­te. Für Alter­na­ti­ven ist es aber zu spät, denn die brei­te Mehr­heit ist in ihrer Fest­le­gung bereits seit vie­len Jah­ren regel­recht erstarrt und der Bau­fort­schritt des Pro­jek­tes kann eben­falls nicht igno­riert wer­den. Der Aus­stieg und Umstieg zu etwas Bes­se­rem wäre 2012/2013 bei der vor­letz­ten gro­ßen Kos­ten­stei­ge­rung noch mög­lich gewe­sen – und wur­de lei­der ver­säumt. Damals hät­ten ins­be­son­de­re Bund und DB aktiv wer­den müs­sen. Mal all die­se Fak­ten außer Acht gelas­sen: Wer soll denn Alter­na­ti­ven pla­nen? Die DB und die betei­lig­ten Unter­neh­men sind völ­lig aus­ge­las­tet (bes­ser: über­las­tet), um S 21 „eini­ger­ma­ßen hin­zu­be­kom­men“. S 21 fer­tig zu pla­nen und wei­ter zu bau­en und gleich­zei­tig Alter­na­ti­ven zu pla­nen wür­de zwangs­läu­fig zu Kapa­zi­täts­pro­ble­men füh­ren. Aber wie gesagt: Alter­na­ti­ven zu prü­fen wur­de ver­säumt, als es noch sinn­voll und not­wen­dig war.

  2. Klaus Arnoldi Reply

    Stutt­gart 21 schafft Eng­päs­se, die der Kopf­bahn­hof nicht hat­te. Eine Ver­dopp­lung des Schie­nen­ver­kehrs kann mit die­sem Pro­jekt nicht erreicht wer­den. Dabei ist die häu­fig zitier­te Gro­ße Wend­lin­ger Kur­ve nur ein klei­ne­res Pro­blem. Viel grö­ßer sind die Pro­ble­me in der Zufahrt von Nor­den – sprich von Stutt­gart-Zuffen­hau­sen. Hier haben wir es mit einem erheb­li­chen Kapa­zi­täts­ab­bau auf der heu­te vier­glei­si­gen Zulauf­stre­cke zu tun. Heu­te kön­nen Regio­nal­zü­ge die Glei­se der S‑Bahn mit­be­nut­zen und den Kopf­bahn­hof an Glei­se 1 bis 8 errei­chen. Das geht bei Stutt­gart 21 nicht mehr. Die S‑Bahn Glei­se (Stre­cke 4801) sind dann nicht mehr an den Haupt­bahn­hof ange­bun­den. Das bedeu­tet, dass der gesam­te Fern- und Regio­nal­ver­kehr auf die Stre­cken­glei­se 4800 gedrängt wird, mit der Fol­ge, dass kei­ne par­al­le­len Ein- und Aus­fahr­ten mehr mög­lich sind.
    Das Pro­blem ist seit Beginn der Pla­nung bekannt. Schon Prof. Schwan­häu­ser hat­te 1994 die Kapa­zi­täts­re­ser­ve auf die­sem Abschnitt mit nur 12 Pro­zent ange­ge­ben und die P‑Option vor­ge­schla­gen. Selbst ein Gleis­wech­sel­be­trieb ist wegen den getrenn­ten Tun­nel­röh­ren nicht mög­lich. Im aktu­el­len Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan 2030 wird die­ser Abschnitt mit 119 Pro­zent als über­las­tet aus­ge­wie­sen – ein Ein­ge­ständ­nis, dass Stutt­gart 21 bei Fer­tig­stel­lung bereits zu klein ist.
    Vor­dring­lich ist der 6‑gleisige Aus­bau des Stre­cken­ab­schnitts Stutt­gart-Zuffen­hau­sen bis Stutt­gart-Feu­er­bach und der Bau der P‑Option oder der Erhalt der Glei­se, die zum Kopf­bahn­hof füh­ren. Ohne die­sen Aus­bau wird der Metro­pol­ex­press nicht im Takt ver­keh­ren. Es wäre wün­schens­wert, wenn Sie, Herr Gast­el, die­ses The­ma auf­grei­fen wür­den.

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