Wie wir bundesweit aufs Energiesparen setzen

24.08.2022, ergänzt am 30.08.2022

Wie ich persönlich Energie spare

Die Ener­gie­prei­se ken­nen schon seit län­ge­rem über­wie­gend eine Rich­tung: Die nach oben. Die­se Ent­wick­lung hat schon vor dem ver­schärf­ten Krieg von Putins Russ­land in der Ukrai­ne ihren Lauf genom­men, sich aber seit Febru­ar ver­schärft. Gro­ße Tei­le von Poli­tik und Gesell­schaft sind sich einig: Wir müs­sen von Erd­gas- und Ölim­por­ten aus Russ­land schnell unab­hän­gi­ger wer­den.[1] Dafür neh­men wir höhe­re Prei­se in Kauf[2]. Dadurch, dass Russ­land sei­ne ver­trag­li­chen Lie­fer­ver­pflich­tun­gen trotz aus­rei­chen­der Pipe­line-Kapa­zi­tä­ten nicht erfüllt, erhöht sich der Hand­lungs­druck zusätz­lich. Die Her­aus­for­de­run­gen, die sich dar­aus erge­ben, sind die Ein­spa­rung von Ener­gie, die Sicher­stel­lung der Gas­ver­sor­gung und (finan­zi­el­le) Hil­fen für Men­schen und Unter­neh­men. Alle wer­den ihren Ener­gie­ver­brauch prü­fen, ändern und sich ein­schrän­ken müs­sen. Aber nie­mand soll frie­ren müs­sen. Dafür gewährt der Bund umfang­rei­che Hil­fen ins­be­son­de­re für Men­schen mit wenig Geld. Nach­fol­gend skiz­zie­re ich, wie die Bun­des­re­gie­rung das Ener­gie­spa­ren kurz- und mit­tel­fris­tig unter­stützt. Ganz unten erläu­te­re ich mein eige­nes, ganz per­sön­li­ches Ver­hal­ten in Sachen Energieverbrauch.

Bund setzt aufs Energiesparen

Etwas Posi­ti­ves vor­ab: Die gesetz­lich vor­ge­ge­be­ne Füll­men­ge in den Erd­gas­spei­chern wird bereits einen Monat frü­her erreicht. Dies nimmt den Druck, Gas für jeden Preis ein­kau­fen zu müs­sen. Nun kommt das „Aber“: Wir müs­sen jetzt wie auch im Win­ter alle spa­ren, damit alle ohne zu Frie­ren durch die Heiz­pe­ri­ode kom­men. Die Bun­des­re­gie­rung hat in vier Berei­chen bereits kon­kret gehan­delt: Bau von LNG-Infra­struk­tur, Befül­lung der Gas­spei­cher und ver­mehr­ter Zukauf aus ande­ren Regio­nen, Absi­che­rung der Funk­ti­ons­tüch­tig­keit des Gas­mark­tes sowie Gas­ein­spa­run­gen. Dabei ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Haus­hal­te und sozia­le Ein­rich­tun­gen im Fal­le einer Gas­man­gel­la­ge geschützt sind.

Die Maß­nah­men für Ener­gie­ein­spa­run­gen sind an öffent­li­che Kör­per­schaf­ten adres­siert, aber auch an Unter­neh­men und pri­va­te Haus­hal­te. Im Vor­der­grund steht der Gas­ver­brauch, der gesenkt wer­den muss. Da ein Teil des Stroms in Gas­kraft­wer­ken erzeugt wird, muss jedoch auch der Strom­ver­brauch redu­ziert wer­den. An die­ser Stel­le ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nicht alle Gas­kraft­wer­ke still­ge­legt wer­den kön­nen, da die­se teil­wei­se in Wär­me­net­ze ein­ge­bun­den sind oder auch wegen ihrer hohen Fle­xi­bi­li­tät für die Sta­bi­li­sie­rung des Strom­net­zes benö­tigt wer­den. Zum Ein­satz kom­men Bera­tung, För­der­pro­gram­me und ver­bind­li­che Regeln. In öffent­li­chen Gebäu­den, die als Vor­bil­der vor­an gehen müs­sen, wer­den bei­spiels­wie­se weni­ger Flä­chen (Flu­re, Foy­ers etc.) beheizt, Tem­pe­ra­tu­ren in Büro­räu­men wer­den auf maxi­mal 19 Grad gesenkt und auf reprä­sen­ta­ti­ve Beleuch­tun­gen in und von Gebäu­den wird ver­zich­tet. Gas­ver­sor­ger und Eigen­tü­mer grö­ße­rer Wohn­ge­bäu­de wer­den ver­pflich­tet, Bewohner*innen über deren vor­aus­sicht­li­chen Ener­gie­ver­brauch, die damit ver­bun­de­nen pro­gnos­ti­zier­ten Kos­ten sowie über mög­li­che Spar­maß­nah­men zu infor­mie­ren. Mit­tel­fris­tig wird der jähr­li­che Hei­zungs­check gesetz­lich vor­ge­schrie­ben. Der Aus­tausch älte­rer, inef­fi­zi­en­ter Hei­zungs­pum­pen wird Pri­va­ten wie auch Unter­neh­men vor­ge­ge­ben (amor­ti­siert sich erfah­rungs­ge­mäß oft sehr schnell). Dar­über hin­aus unter­stützt der Bund Ener­gie­spar­k­am­pa­gnen, die gemein­sam mit Sozi­al­part­nern, Kom­mu­nen und Hand­werk durch­ge­führt werden.

An die­ser Stel­le ver­wei­se ich dar­auf, dass ich bereits Info­ver­an­stal­tun­gen zum Ener­gie spa­ren ange­bo­ten habe, sie­he https://www.matthias-gastel.de/energiekosten-sparen-welche-moeglichkeiten-gibt-es/

Mein Ener­gie­ver­brauch

Mein Strom­ver­brauch in bei­den Woh­nun­gen liegt zusam­men bei durch­schnitt­lich 740 Kilo­watt­stun­den pro Jahr. Damit ver­brau­che ich in etwa die Hälf­te eines durch­schnitt­li­chen Ver­gleichs­haus­hal­tes. Vor mei­ner Zeit im Bun­des­tag, als ich noch täg­lich koch­te, weil ich als Selbst­stän­di­ger von zuhau­se aus arbei­te­te, lag der Ver­brauch bei rund 1.000 Kilo­watt­stun­den und damit um ein Drit­tel unter dem Durchschnittsverbrauch.

Ein Ver­gleich bei Hei­zungs­en­er­gie ist wesent­lich schwie­ri­ger, da die Bau­sub­stanz, die Lage der Woh­nung und vie­le ande­re Fak­to­ren nur bedingt beein­fluss­bar sind und der Auf­wand je nach Wit­te­rung sehr stark schwankt.

Wie ich per­sön­lich Ener­gie spa­re – schon lan­ge und nun noch ehrgeiziger

Aus meh­re­ren Grün­den stel­le ich hier dar, wo und wie ich per­sön­lich Ener­gie spa­re: Ers­tens wer­de ich immer wie­der von Bürger*innen danach gefragt. Zwei­tens lese ich immer wie­der von Vor­wür­fen, in denen den­je­ni­gen mit über­durch­schnitt­li­chem Ein­kom­men pau­schal unter­stellt wird, sie wür­den sich nicht spar­sam ver­hal­ten, da sie sich ja die höhe­ren Ener­gie­prei­se leis­ten könn­ten. Ich kann für mich sagen, dass mir der spar­sa­me Umgang mit Ener­gie schon immer wich­tig und Ver­schwen­dung zuwi­der war. Ich erin­ne­re mich, dass ich als Kind/Jugendlicher von mei­nem Taschen­geld Ener­gie­spar­lam­pen kauf­te, um Glüh­bir­nen zu ersetzen.

Bei allen tech­ni­schen Gerä­ten über­le­ge ich kri­tisch, ob die­se über­haupt wirk­lich not­wen­dig sind (Video-/DVD-Play­er, Ste­reo­an­la­ge etc. besaß ich bei­spiels­wei­se noch nie). Bei Gerä­ten, die ich neu anschaf­fe, ach­te ich immer dar­auf, das Modell mit dem geringst mög­li­chen Ener­gie­ver­brauch zu kau­fen. Gera­de beim Kühl­schrank, der den größ­ten Teil der Zeit läuft, ist dies beson­ders wich­tig. In die­sem Jahr habe ich den Zeit­punkt für die Ent­ei­sung des Gefrier­fachs im Kühl­schrank und des­sen Rei­ni­gung bewusst so gewählt, dass ich die Wochen danach die Kühl­wa­re auf dem Bal­kon auf­be­wah­ren konn­te und das Gerät erst viel spä­ter wie­der ein­schal­ten muss­te. Zudem habe ich den Kühl­schrank auch mal bei Abwe­sen­hei­ten von über einer Woche aus­ge­schal­ten. In mei­ner Ber­li­ner Woh­nung besit­ze ich gar kei­nen Kühl­schrank. Stand-by ver­mei­de ich so gut wie mög­lich. Anders als frü­her nut­ze ich kei­nen PC mehr, son­dern arbei­te am spar­sa­me­ren Lap­top. Die Wasch­ma­schi­ne läuft nur, wenn sie voll ist und wird auf eine nied­ri­ge Tem­pe­ra­tur (meist 30 Grad, max. 40 Grad) ein­ge­stellt. Die Beleuch­tung ist seit Jahr­zehn­ten auf Spar­lam­pen und jetzt zuneh­mend auf LED umge­stellt. Das Licht brennt nur dort, wo ich mich auf­hal­te. Beim Kochen ach­te ich dar­auf, dass ich mög­lichst wenig Herd­plat­ten und die Rest­wär­me nut­ze. Der Back­ofen wird nie vorgeheizt.

Zum The­ma „Strom“ ist noch zu sagen, dass ich seit der Libe­ra­li­sie­rung des Strom­markts zer­ti­fi­zier­ten Öko­strom bezie­he und momen­tan zwei PV-Anla­gen Betrei­be. Die­se erzeu­gen zusam­men acht- bis neun­mal so viel Strom wie ich sel­ber ver­brau­che. Eine der Anla­gen befin­det sich auf dem Dach eines Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses. Eine drit­te Anla­ge, eine Bal­kon­an­la­ge, befin­det sich in Planung.

Die Hei­zun­gen in mei­nen Woh­nun­gen (Filderstadt/Berlin) wer­den meist erst ab frü­hes­tens Novem­ber ein­ge­schal­ten und spä­tes­tes ab April abge­stellt. Beheizt wird ledig­lich das Büro und ggf., wenn ich mich abseh­bar län­ger dar­in auf­hal­te, das Wohn­zim­mer. Flur, Bad/WC, Schlaf­zim­mer und Küche wur­den noch nie beheizt. Die Türen zwi­schen beheiz­ten und unbe­heiz­ten Räu­men wer­den geschlos­sen. Abends wird ein oder zwei Stun­den vor dem Schla­fen­ge­hen die Hei­zung zurück­ge­dreht. Die Räu­me wer­den stoß­ge­lüf­tet, bevor die Hei­zung auf­ge­dreht wird. Für mich war es schon immer nor­mal, im Win­ter in der Woh­nung eine lan­ge Hose und einen Pul­li zu tra­gen. Ich dusche seit etwa 30 Jah­ren kalt. Damit hat­te ich begon­nen, als ich mich auf Zelt­la­ger vor­be­rei­ten woll­te, auf denen es kein Warm­was­ser gab – und habe dies für mich irgend­wann zur fes­ten Regel gemacht. Im kom­men­den Win­ter wer­de ich dar­auf ach­ten, dass die Raum­tem­pe­ra­tur in den beheiz­ten Räu­men bei maxi­mal 20 Grad liegt. In sehr kal­ten Näch­ten könn­te ich noch die Roll­la­den her­un­ter las­sen, um die Wär­me bes­ser in der Woh­nung zu halten.

Die Mobi­li­tät ist mir beson­ders wich­tig, stellt sie doch mei­nen poli­ti­schen Arbeits­schwer­punkt dar. Als Abge­ord­ne­ter muss und will ich viel unter­wegs sein. Ich pend­le meh­re­re dut­zend Male pro Jahr zwi­schen Wohn­ort und Ber­lin und neh­me vie­le Ter­mi­ne an ande­ren Orten, meist in mei­nem Wahl­kreis und in Baden-Würt­tem­berg, wahr. Ein Auto besaß ich nie. Bei Bedarf lei­he ich mir eines, was ich aller­dings nur äußerst sel­ten mache. Ich nut­zen Bahn, Bus und Fahr­rad. Den Fahr­dienst in Ber­lin nut­ze ich nur etwa zwei­mal im Jahr und fah­re dort fast aus­schließ­lich mit dem Fahr­rad ins Büro und zu mei­nen Ter­mi­nen. Statt Auf­zug oder Roll­trep­pe nut­ze ich meist die Trep­pe, was Strom spart und gut für die eige­ne Fit­ness ist.

Übri­gens lässt sich auch Ener­gie und Geld spa­ren, wenn man Was­ser aus dem Hahn statt aus der im Super­markt gekauf­ten Fla­sche trinkt. Fürs Was­ser aus der Fla­sche müs­sen Last­wa­gen oft wei­te Wege zurück legen und dafür viel Die­sel ver­fah­ren, was beim Lei­tungs­was­ser ent­fällt. Ein Liter aus dem Super­markt kos­tet, sehr vor­sich­tig gerech­net, locker 50 x mehr als das Was­ser aus der Leitung.

Die­se Aus­füh­run­gen stel­len kei­ne Rat­schlä­ge, kei­ne Erwar­tung und schon gar kei­ne Vor­ga­be an ande­re Men­schen dar. Sie geben ledig­lich Ant­wort auf immer wie­der an mich gestell­te Fra­gen. Jede und jeder von uns muss den eige­nen, pas­sen­den Weg finden.

[1] Kurz zur Ergän­zung, da hier nicht das The­ma: Wir dür­fen nicht zulas­sen, dass Russ­land wei­ter ver­sucht, aggres­siv und impe­ria­lis­tisch sei­nen Ein­fluss in Euro­pa aus­zu­bau­en. Wir waren viel zu lan­ge in unver­ant­wort­li­chem Aus­maß von die­sem Land und sei­nen Ener­gie­trä­gern abhän­gig und haben damit letzt­lich des­sen Hoch­rüs­tung und sei­ne Krie­ge mitfinanziert.

[2] Auf die Fra­ge „Sol­len wir die Ukrai­ne trotz hoher Ener­gie­prei­se bei uns wei­ter unter­stüt­zen?“ ant­wor­ten 71 Pro­zent der Bürger*innen mit „Ja“, bei den Grü­nen sind es sogar 95 Pro­zent. Aller­dings sagen 58 Pro­zent, die Regie­rung tue zu wenig, um die Men­schen zu ent­las­ten. Quel­le: ARD Deutsch­land­trend vom 12.08.2022

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