In diesem Beitrag gehe ich kurz auf Fragen ein, die mir immer wieder gestellt werden. Damit gebe ich Einblicke in meine Motive fürs politische Engagement, in parlamentarische Alltage und in meine Aktivitäten im Wahlkreis und in Baden-Württemberg sowie in meine persönlichen Meinungen.
Wie kam es zum politischen Engagement, warum die Grünen?
Ich war sehr früh politisch interessiert. Es begann, als ich im Grundschulalter die Zeitung lesen konnte. Der Streit um die Stationierung von Atomwaffen und später das Atomunglück in Tschernobyl sowie Atomtests und die Dünnsäureverklappung in der Nordsee steigerten mein politisches Interesse. Spätestens mit 14 Jahren war klar, dass die damals noch sehr junge grüne Partei meine politische Heimat darstellt. Ich wurde geprägt von der Friedens- und Umweltbewegung. Pazifist war ich jedoch nie.
Mehr Infos: https://www.matthias-gastel.de/matthias-gastel/
Was tun Sie selbst für die Umwelt?
Ich besaß nie ein Auto, nutze weit überwiegend Bus, Bahn und Fahrrad oder gehe zu Fuß. Das Flugzeug habe ich privat noch nie und dienstlich nur sehr selten genutzt. Meine PV-Anlagen produzieren deutlich mehr Strom als ich selbst verbrauche. Immer wieder beteilige ich mich an Müllsammelaktionen oder initiiere solche.
Mehr Infos: https://www.matthias-gastel.de/wie-wir-bundesweit-aufs-energiesparen-setzen/
Warum sind die Grünen für Waffenlieferungen an die Ukraine?
Grüne Programmatik betont das Recht auf Selbstverteidigung. Darin unterstützen wir die Ukraine. Für Russlands Krieg gegen die Ukraine gibt es keinerlei Rechtfertigung. Der Krieg wurde von Russland gestartet und nur Russland kann ihn beenden. Für die Ukraine geht es ums Existenzrecht als souveräner Staat und die Freiheit seiner Bürgerinnen und Bürger, die es nur in Demokratie und Rechtsstaatlichkeit geben kann. Dass Russland mit Überflügen weitere Nachbarländer provoziert, muss sehr ernst genommen werden. Von Russland gehen erhebliche Gefahren für den Frieden in Europa aus. Der Nato-Beitritt von Finnland und Schweden zeigt, wie groß die Ängste vor einem imperialistisch agierenden Russland sind.
Mehr Infos: https://www.matthias-gastel.de/rede-zum-unabhaengigkeitstag-der-ukraine/
Wie stehen Sie zur Migration?
Leider ist die Welt weniger friedlich und weniger gerecht, als wir sie uns wünschen. Daher machen sich Menschen immer wieder auf die Flucht vor Krieg, Verfolgung und Perspektivlosigkeit. Einige von ihnen erreichen Europa, ein Teil davon Deutschland. Wir stehen zum Prinzip „Humanität und Ordnung“. Dies bedeutet: Ansprüche werden geprüft. Wer ein Bleiberecht hat, kann bleiben. Wer kein Bleiberecht hat und es liegt kein Abschiebehindernis vor, wird im Grundsatz wieder gehen müssen. Ich bin jedoch sehr dafür, dass bleiben können sollte, wer sich gut integriert und in Ausbildung/Arbeit ist. Unter der „Ampel“ wurden aus den genannten Gründen wieder Grenzkontrollen eingeführt. Daraufhin sind die Flüchtlingszahlen deutlich gesunken. Wir brauchen ein handlungsfähiges und geeintes Europa, das seine Außengrenze sichert, transparent erfasst, wer einreisen möchte, und Geflüchtete solidarisch, gerecht und unter menschenwürdigen Bedingungen auf die Mitgliedstaaten verteilt.
Mehr Infos: https://www.matthias-gastel.de/bereit-zu-konstruktiver-opposition/
Was habt Ihr in Regierungsverantwortung erreicht?
Die „Ampel“-Koalition wurde vorwiegend durch Streit wahrgenommen, hat aber inhaltlich viel erreicht. In Stichworten: Sicherung der Energieversorgung in Deutschland nach kurzfristigem Wegfall der Erdgaslieferungen aus Russland und starker Verunsicherungen auf dem europäischen Strommarkt, erfolgreicher Ausbau der erneuerbaren Energien und Abschaffung der EEG-Umlage, Verkleinerung des Bundestags, starke Erhöhung des Kindergeldes sowie Einführung des beliebten Deutschlandtickets. Im Bereich der Bahn-Politik konnten wir viele wegweisende Entscheidungen herbeiführen, darunter für das bislang größte Sanierungsprogramm für die Infrastruktur und die neue, gemeinnützige Ausrichtung der Infrastruktursparte der Deutschen Bahn. Wie das „Handelsblatt“ berichtete, hatten wir uns im Koalitionsvertrag 414 Maßnahmen vorgenommen (mehr als die Vorgängerregierung!). Davon wurden 60 Prozent abgeschlossen und 34 Prozent befanden sich in Umsetzung. Am aktivsten war übrigens das Ressort von Robert Habeck.
Mehr Infos: https://www.matthias-gastel.de/ampel-einiges-erreicht/
Wie sieht Ihr Alltag als Abgeordneter aus?
Es ist zwischen Sitzungswochen und sitzungsfreien Wochen zu unterscheiden. In sitzungsfreien Wochen bin ich überwiegend in Baden-Württemberg unterwegs. Ich nehme Termine in meinem Wahlkreis wahr: So besuche ich Unternehmen, Vereinsversammlungen und ‑feste oder ich biete Sprechstunden an (telefonisch und in Präsenz). Außerhalb des Wahlkreises kommen weitere Unternehmensbesuche, Gespräche in Forschungseinrichtungen sowie Veranstaltungen auf Einladung örtlicher Grüner hinzu. Die Sitzungswochen sind stark durchstrukturiert und von parlamentarischer Arbeit bestimmt: Teilnahme an Ausschuss- und Plenarsitzungen, zudem Fraktionsgremien. Morgens und abends finden häufig Gespräche mit Unternehmen und Verbänden statt.
Die Tage sind meist sehr lang (ca. 5.30 bis 22 Uhr) und Wochenenden sind nur sehr selten frei von Terminen und schon gar nicht von Büroarbeit.
Mehr Infos: https://www.matthias-gastel.de/was-macht-ein-mdb-in-berlin/
Kommunikation/Dialog
Politik ist in wesentlichen Teilen Kommunikation. Gespräche mit Bürger*innen, Unternehmen und Verbänden gehören zum politischen Alltag, um sich Meinungen und Anregungen einzuholen und sich eine eigene Meinung bilden zu können. Umgekehrt geht es darum, politische Meinungen in die Öffentlichkeit zu transportieren und Handeln zu erklären. Ich biete Sprechstunden in unterschiedlichen Formaten an: Telefonisch, in Präsenz auf öffentlichen Plätzen (Bahnhöfe, Marktplätze) und in Cafés in verschiedenen Orten meines Wahlkreises. Für junge Leute habe ich das Dialogformat „Politik & Pizza“ etabliert. Kürzlich lud ich zur mobilen Fahrgast-Sprechstunde in S‑Bahnen ein.
Ich bin in zahlreichen „sozialen“ Medien vertreten, liefere hier Informationen über meine Arbeit, biete Debattenräume und beantworte Fragen.
Mehr Infos: https://www.matthias-gastel.de/mobile-sprechstunde-in-der-s-bahn/
Wie wird man als MdB beraten/Umgang mit Lobbyisten
Abgeordnete haben häufig mit „Lobbyisten“ zu tun. Lobbyismus hat ein schlechtes Image, ist aber völlig legitim. Jedes Unternehmen, jede Organisation und jeder Verband hat das Recht, für eigene Interessen oder die der vertretenen Mitglieder einzutreten. Politik hat die Aufgabe, zuzuhören und die Informationen und Meinungen einzuordnen. Dazu gehört immer, sich auch Gegenmeinungen anzuhören, um sich auf umfassender Information eine Meinung bilden zu können. Entscheidend ist, sich nicht vereinnahmen zu lassen.
In den Büros (Berlin und Wahlkreis) arbeiten Verkehrsingenieur*innen für mich, um mich in meinem Schwerpunktthema fachlich qualifiziert zu beraten, parlamentarische Initiativen zu erarbeiten und mich auf Veranstaltungen vorzubereiten.
Mehr Infos: https://www.matthias-gastel.de/vertrauen-in-demokratische-institutionen/ und hier https://www.matthias-gastel.de/mein-team-stellt-sich-vor/
Gibt es Fraktionszwang?
Nein. Das Mandat ist frei. Weicht ein Mitglied des Bundestags von der Fraktionsmeinung ab, so hat dies in aller Regel keine Konsequenzen. In der Opposition gilt dies besonders, da keine Mehrheiten zu verteidigen sind. Es besteht aber das Interesse, dass Einigkeit in der Sache demonstriert wird und klar Position bezogen wird. In den Regierungsfraktionen kann der Druck auf Mitglieder vor allem dann größer sein, wenn die Mehrheit knapp ist. Dann kann es geschehen, dass auf eventuell abweichende Abgeordnete eingewirkt wird. Unmittelbare Konsequenzen hat abweichendes Verhalten jedoch nicht. Die Bundestagsfraktionen wirken nicht auf Kandidierendenaufstellungen in den Wahlkreisen ein und haben meist wenig Einfluss auf die Erstellung der Landeslisten. Wichtig zu wissen: Gerade in den Oppositionsfraktionen empfehlen die Fachgeordneten innerhalb ihrer fachlichen Zuständigkeit das Abstimmungsverhalten. Diese stecken tief in der jeweiligen Materie drin und können Sachverhalte besonders gut bewerten. In den weit überwiegenden Fällen stimmen die Kolleginnen und Kollegen dann entsprechend ab – auch, weil sie der Expertise der Kollegin oder des Kollegen vertrauen. Es wäre bei der hohen Anzahl von Abstimmungen, die in jeder Sitzungswoche abgehalten werden, gar nicht möglich, dass alle Abgeordneten sich in alle (häufig hochkomplexe) Gesetzentwürfe und Anträge einarbeiten.
Warum hört man von Ihnen fast nur Aussagen zur Bahn?
Die meisten Abgeordneten (eine der wenigen Ausnahmen: Fraktionsvorsitzende) sind Fachabgeordnete. Sie wurden von ihren jeweiligen Fraktionen in einen Fachausschuss entsandt und mit einer konkreten Fachaufgabe betraut. Bei mir ist dies insbesondere der Verkehrsausschuss und das Fachgebiet „Bahnpolitik“, zudem „Güterverkehr/Logistik“. Das anvertraute Thema wird in aller Tiefe bearbeitet. Das Team, das einen dazu berät, ist entsprechend qualifiziert. In meinem Fall beschäftige ich vor allem Verkehrsingenieur*innen. Man ist für das eigene Thema Ansprechperson für die Presse, begleitet Gesetzgebungsverfahren, formuliert im Auftrag der Fraktion Anfragen und Anträge und empfiehlt der eigenen Fraktion das Abstimmungsverhalten, wenn es um Initiativen anderer Fraktionen geht. Wenn man erfolgreich arbeiten möchte, muss man das eigene Fachgebiet beherrschen, gut vernetzt sein und hartnäckig die eigenen fachlichen Ziele verfolgen. Daher macht es keinen Sinn und wäre aus Kapazitätsgründen auch so gut wie gar nicht möglich, weitere Themen ernsthaft zu bearbeiten. Dieses Prinzip gewährleistet, dass jedes Fachgebiet von jeder Fraktion qualifiziert bearbeitet werden kann. Würden alle Abgeordneten alle aktuell im Fokus stehenden Themen bearbeiten, würde kein einziges Thema in der gebotenen Sorgfalt und fachlichen Tiefe bearbeitet werden.
Siehe dazu, wie mein Team aufgestellt ist: https://www.matthias-gastel.de/mein-team-stellt-sich-vor‑2/
Welche Themen bearbeiten Sie außer „Bahn“?
Es ergibt Sinn, dass sich die Abgeordneten spezialisieren (siehe Ausführungen oben). Ich gehöre neben dem Verkehrsausschuss dem Tourismusausschuss an. Aus Gründen der Arbeitseffizienz habe ich dort schwerpunktmäßig die Mobilitätsthemen übernommen.
Eine Erweiterung meines Fokus auf „Bahn“ gibt es: Derzeit gründe ich zusammen mit anderen Abgeordneten eine Parlamentsgruppe „politische Bildung“. Mit meiner Initiative geht es mir darum, fraktionsübergreifend Wege zu finden, um unser parlamentarisches Arbeiten besser zu kommunizieren, wirksamer gegen Populismus, Extremismus und Fake News vorzugehen und Vertrauen in die demokratischen Institutionen zurückzugewinnen. Wir wollen zudem mehr politisches Interesse wecken und Menschen aktivieren, sich mehr einzubringen.
An meinem Arbeitsschwerpunkt wird dieses zusätzliche Engagement nichts ändern.
Warum sind im Plenarsaal oft so viele Plätze frei?
Man kennt die Bilder: Die Fernsehkamera schwenkt während einer Sitzung des Bundestags durch den Saal. Die meisten Plätze sind leer. Wo sind die vielen Abgeordneten? Ganz einfach: Der Deutsche Bundestag ist nicht so organisiert, dass alle Abgeordneten gleichzeitig im Plenarsaal anwesend sein können. Denn: Es finden zeitgleich andere Termine statt oder es müssen wichtige Aufgaben erledigt werden. So tagen beispielsweise einige Ausschüsse zeitgleich mit der Plenarsitzung. Abgeordnete müssen zudem Gäste empfangen oder Sitzungen und Reden vorbereiten. In der Regel sind diejenigen Abgeordneten im Sitzungssaal anwesend, deren Thema gerade debattiert wird. Wechselt mit dem Tagesordnungspunkt das Thema, verlassen einige Abgeordnete den Saal und andere kommen herein. Die Bilder von wenigen Abgeordneten im Plenarsaal sehen nicht gut aus. Das wissen wir. Wir müssen aber auf die Effizienz unserer Arbeit achten und auch dem Teil unserer Pflichten nachkommen, deren Erfüllung nicht immer alle sehen können.
Mehr Infos: https://www.bundestag.de/services/soziale_medien/instagram_praesidentin/fragen-ts-1057484
Wie viel verdient man im Bundestag?
Die Abgeordnetenentschädigung beträgt seit Juli 2025 monatlich 11.833,47 Euro. Die Entschädigung ist einkommensteuerpflichtig. Die Entwicklung der „Diäten“ ist gekoppelt an die durchschnittliche Lohnentwicklung der berufstätigen Bevölkerung (Nominallohnindex), die jährlich vom Statistischen Bundesamt ermittelt wird.
Zur Entschädigung kommt eine steuerfreie Aufwandspauschale als Teil der so genannten Amtsausstattung hinzu. Diese Pauschale wird jährlich zum 1. Januar an die Lebenshaltungskosten angepasst und liegt derzeit bei knapp 5.500 Euro monatlich. Davon müssen alle Ausgaben bestritten werden, die zur Ausübung des Mandates anfallen: Vom Wahlkreisbüro über den zweiten Wohnsitz in Berlin bis hin zum Büromaterial im Wahlkreis sowie Kosten der Wahlkreisbetreuung.
Mitglieder des Bundestages können mit ihrer Steuererklärung keine Werbungskosten geltend machen.
Mehr Infos: https://www.bundestag.de/abgeordnete/mdb_diaeten/mdb_diaeten-214848
Weitere Themen, Meinungen und Informationen
Meine Homepage ist sehr umfassend, informativ und hintergründig aufgebaut. Ergänzend zu diesem Beitrag weise ich besonders auf folgende weitere Beiträge hin:
Mehr über meine Aufgaben: https://www.matthias-gastel.de/zahlreiche-aufgaben-im-bundestag/
Zur Wehrpflicht: https://www.matthias-gastel.de/wehrpflicht-gesellschaftliches-pflichtjahr-oder/
